Lauterjung, Michael

Michael Lauterjung, Jahrgang 1959, studierte an der Freien Kunstschule und der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart bei Prof. Rudolf Haegele sowie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Prof. Maria Lassnig. Von der informell-abstrakten Malerei herkommend, kombiniert er in seinen Werken realistische Abbildungen von Alltagsgegenständen mit abstrakten Hintergründen, monochromen Flächen oder Ornamentfeldern. In seinen Bildern lenkt Michael Lauterjung den Blick des Betrachters auf die Schönheit des Alltäglichen. Dabei reicht das Spektrum seiner stets gegenständlichen Motive von Obst und Gemüse über Personen und auch Gebrauchsgegenstände. Das zentrale Motiv wird hyperrealistisch dargestellt, fokussiert und dabei scheinbar monumentalisiert.

Michael Lauterjung: Eicheln, Acryl, Lack, Öl, auf Holz, 48 x 51 cm, 1.800 Eur

Michael Lauterjung: Eicheln, Acryl, Lack, Öl, auf Holz, 48 x 51 cm, 1.800 Eur

 

Der Künstler setzt in seinen Arbeiten ein breites Spektrum an Techniken und Materialien ein. Beispielsweise steht die Holzstruktur des Bildträgers, die farbliche Differenzierung des Hintergrunds, kombiniert mit Abklatschbildern, Schriftzügen, gemalten Ornamenten, Fotos oder Strichzeichnungen, manchmal überarbeitet, verwischt und kaum mehr erkennbar, in deutlichem Gegensatz zu der illusionistischen Feinmalerei der Objekte. Hier spielt der Künstler mit verschiedenen Ebenen der optischen Wahrnehmung und durchbricht Sehgewohnheiten.

Die Sujets sind scheinbar trivial und erhalten aber durch die gekonnte Lichtführung, einem Spiel aus gleichzeitiger Transparenz und Dichte, und dem fein austarierten Wechselspiel zwischen subtil bearbeitetem Hintergrund einerseits und fast greifbarem Volumen andererseits, eine außergewöhnliche Spannung und eigene Ästhetik. Dies wird teilweise dadurch noch unterstützt, dass der Künstler bunt gemusterte Stoffe als Malgrund verwendet und das anscheinend Sichtbare zugunsten einer unmittelbaren Seherfahrung aufgelöst wird. Dabei wird die Farbe teils in Reliefstärke geschichtet und mit reinem Pigment zu intensiver Strahlkraft ausgereizt, sie überschreitet partiell die Grenzen des dargestellten Objekts und integriert es soweit, dass es seine Formkonstanz und damit seine Bedeutung verliert.

Lauterjungs Motive sind häufig dem Alltag entnommen, nicht selten dem häuslichen Umfeld. Obst und Gemüse werden dabei einzeln oder in kleinen Gruppen zu Hauptakteuren der Bilder. Meist ist ihr Zustand vollkommen (Holl. Strauchtomaten Klasse I), die Oberfläche glatt und sauber, die Darstellung in ihrer Dreidimensionalität verblüffend echt. Die Irritation setzt bei der Größe ein: ins Monumentale gesteigert, bekommen die Motive Bedeutung und Gewicht, in der Gruppierung Macht, und durch die Zentrierung eine Aura der Besonderheit. Schatten fehlen und die Motive scheinen vielmehr vor einer Tapetenwand zu schweben, die räumliche Beziehung bleibt hier im Ungewissen. Realistisch dargestellt sind die Motive optisch dominant, geben aber auch den Blick frei auf einen Hintergrund, der in mehreren Lagen vielschichtig gestaltet ist.