Schulz, Georg

Der Werkstoff Holz scheint Georg Schulz buchstäblich in die Wiege gelegt zu sein. Sein Vater war Tischler, er selbst ist Antiquitätenrestaurator und Möbel-Macher.

Hier erhält er auch die entscheidende Anregung zum Männchen-Schnitzen: Sein Kompagnon bringt aus England Nippesfiguren als Schaufensterdekoration für die Ladenwerkstatt mit, Schulz „will dem Kitsch etwas Authentisches entgegensetzen.“

Er schafft handliche Figuren, meist um die 25 cm groß, kaum größer als 35 cm. Mit einem alten englischen Stecheisen schlägt Schulz seine Figuren aus Lindenholz und bearbeitet sie grob mit der Bandsäge, bevor er sie mit Acrylfarben bemalt.

Georg Schulz: bemalte Holzskulptur, Lindenholz, Unikat, 20 cm, 430 eur ©Galerie Voigt

Georg Schulz: bemalte Holzskulptur, Lindenholz, Unikat, 20 cm, 430 eur ©Galerie Voigt

 

Erkennbar ist bei den Arbeiten ein hohes Maß an handwerklichem Können und der genaue Blick auf Menschen und Dinge. Es ist verblüffend, mit welcher Leichtigkeit sich das Charakteristische der Dinge und Menschen in den Skulpturen spiegelt, wie treffend das Typische einer Körperhaltung oder Geste, trotz der relativ grob belassenen Oberfläche, eingefangen wird. Wichtig sind Details, Andeutung und Ausdruck zugleich: Knollennase, Ringelstrümpfe, ein verrutschter Träger am Kleid, aber auch eine gebeugte Haltung, das sind die Dinge, die seine Arbeiten unverwechselbar machen. Augenzwinkernd mokiert sich Schulz über seine Mitmenschen. Wenn die Skulpturen vom bevorzugten Schwarz-Weiß-Kontrast abweichen, und grelle Leuchtfarben verwendet werden, steigert sich noch die humorvolle Darstellung.

Die Figuren bestehen für sich. Sie lassen sich aber auch trefflich zu Gruppen arrangieren und bilden so immer wieder neue Aussagen. Die Holzskulpturen von Georg Schulz sind roh behauen und geschnitzt, mit wenig Farbe bemalt, formal stark reduziert und auf das Wesentliche beschränkt.

Ob Politiker, Arzt oder Hausmeister, dargestellt sind Menschen und Charaktere, denen man sofort Namen geben möchte, weil man sie zu kennen scheint­. Hinreißend, mit welcher Treffsicherheit er alles auf den Punkt bringt: Ob abgestumpfte Paare, oder affektierte Erfolgsmenschen, bei allem Witz schwingt Ernsthaftigkeit, Sympathie und manchmal sogar Schwermut mit.

 

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